Geschichtsabschnitt 1908 bis 1925

Zum 100-jährigen Jubiläum des SSV 08 Bergneustadt grüßen wir alle Mitglieder, Freunde und Förderer des Vereins. 100 Jahre SSV 08 Bergneustadt. Wir meinen dieses Jubiläum Grund genug ist , um einmal Rückschau zu halte , auf alles , was während dieser langen Zeit geleistet wurde – und meinen auch, das 100 Jahre ein triftiger Grund sind, sich dieser Leistungen zu freuen und sie zu feiern. Es gibt natürlich in der 100 Jährigen Vereinsgeschichte Höhen und Tiefen, die überwunden werden mussten.

Fußball in Bergneustadt 1908 – 2008, Streiflichter aus dem Vereinsleben des SSV Bergneustadt Es ist eine Tatsache im Vereinsleben unserer Kleinstadt, das der Fußballsport zu gewissen Zeiten die aktiven Spieler wie auch die Fußballanhänger in helle Begeisterung versetzte. Es kam vor das zu einem einzigem Spiel bis zu 800 Zuschauer unsere Top-Mannschaft im Wilhelm Bisterfeld Stadion spielen sehen wollten. Typisch für die Arbeitsweise des SSV 08 ist aber, das in Zeiten niederklassigen Fußballs die Flaute dazu benutzt wurde, junge Talente von den Straßen und Bolzplätzen um sich zu versammeln . Der wiederanstieg, das Formen einer jungen Fußballgarde, begann stets von unten aus den Schüler und Jugendmannschaften heraus. Der Rückblick in die Lebensgeschichte des SSV 08 soll vor allem die Jugendlichen Spieler erreichen, die nach Vorbildern suchen und die dem geordneten Kampfspiel noch Freude, Fitness und Persönliche Höchstleistungen abgewinnen wollen. Es ist ein wunderbares Erlebnis für Jugendliche, nach Jahrelangem Training und Kampfeinsatz in die Elite des „Neustädter“ Fußballs aufzusteigen. Die 5 Spielfelder im Stadtgebiet von Bergneustadt sind von dem Vereins-, Werks- und Schulmannschaften nicht allein mit pulsierendem Ballspielbetrieb zu füllen. Unter Initiative der Eltern müssten Freizeit- und Breitensport hinzutreten. Hier liegen die kommenden Aufgaben der Freizeitgestalter und Jugendleiter.

Vor 100 Jahren, Bergneustadt war ein kaum Industrialisiertes Landstädtchen von 3600 Einwohnern, gab es zwar keinen einzigen Fußballplatz, dafür aber die Krawinkels- und die Häckenweide, die Hammer- und die Mühlenteichwiesen und eine Menge kleiner Bolz- und Straßenplätze. Aber es gab auch zahlreiche Fußballgegner, darunter die Familienväter wegen der zertretenen Werktags Schuhe, die Arbeiterbauern wegen ihrer kleinen Mähwiesen, die Landbesitzer wegen der Fensterscheiben, die Lehrer wegen des Randalierens auf den Straßen. Selbst die Turnvereine machten Front wegen der unsachgemäßen Leibesübung des Tretens und Dreschens einer Luftgefüllten Kuh - blase, die Notdürftig mit Leder umhüllt war. Dieses allzu runde Sportgerät passte nicht in den „ Jahnschen“ Turnbetrieb.

Dennoch wurde schon vor dem ersten Weltkrieg in 3 Ortsteilen der „Neustadt“ gebolzt. Wieder allen Erwartens fand das aus England eingewanderte Kampfspiel „ Fußball“ , zunächst für roh und gefährlich angesehen, in Bergneustadt, Gummersbach, Vollmerhausen und Ründeroth, mithin in den Industriestädtchen an der Agger, raschen anklang. Die Macht des Spielbetriebes in der Jugend setzte sich gegen alle Gesellschaftlichen Widerstände durch. Aus den Knirpsen, die „Fußballerten“ , wurden zwischen 1908 und 1914 Jünglinge, die sich in Ortsteilgebunden Kampfspielgruppen, oft Straßenwiese organisierten. Die Fußball- Clubs in „Germania“, „Edelweiß“ , „Concordia“ und „Stern Kleinwiedenest“ machten sich in der Spielweise und in der Vereinsbildung scharfe Konkurrenz.Der am 6. Dezember 1908 in der Altstadtschenke (damals Wilhelm Bockemühl) gegründete Verein erhielt einen Monat später den Patriotischen Namen „ Fußballclub Germania 08“

 

Diese Tatsache können wir aus dem noch existierenden Protokollbuch des „ F.C. Germania 08 „ entnehmen, wo auf Seite 1 die Namen des am 6. Dezember 1908 gewähltem Vorstandes aufgeführt sind:Ernst Hausmann ( 1. Vorsitzender), Walter Spahn ( 2. Vorsitzender), Werner Brinkmann, Willy Borner, Eugen Höstermann,RudolfRettig,Adolf Hömann, Paul Menn. Die Neustädter Fußballpioniere Alfred Freischlader und Willi Schürfeld waren an der Gründung des damaligen Oberbergischem Rasensportverbandes im Jahre 1920 beteiligt. Der organisierte Fußballbetrieb mit Punktspielen und Meisterschaften setzte ein.

Die ersten Tore, so die Vereinschronik von 1908, lieferte Karl Faulenbach für 1,20 Reichsmark (noch ohne Querbalken); die ersten Bälle wurden von den Propagandisten billig erworben. Mag sein, das sich in diesem Zusammenhang einige der ältesten Aktiven noch an Schuhmachermeister Heinrich Menn erinnern, der das, was man damals „ Fußball“ nannte, in seiner Werkstatt wieder „auf Vordermann“ brachte! Mit dem Sportlichen bedeutsamen Zusammenschluss von F.C. Germania und F.C. Stern Kleinwiedenest am 3. September 1920 unter der Vereinsbezeichnung „ Spiel- und Sportvereinigung Bergneustadt 08“ wurde der Spezielle „ Neustädter“ Fußball geboren.

Die Vereinssatzungen von 1920 sahen unter § 11 vor gegen säumige Spieler, die in der Übungsstunde unentschuldigt fehlten, ein Bußgeld von 50 Pf. Zu erheben, beim Fehlen im Wettspiel von 3 RM. Die Fußballbegeisterten Spieler füllten damals die Vereinskassen, statt sie zu belasten. Seit dem Jahre 1920/21 konnte die Spiel- und Sportvereinigung 08 ( gekürzt SSV 08 ) den Kleinwiedenester Platz auf den Romünder- Lenz- Wiesen beziehen, der zur Straßenseite hin mit einem Bretterzaun versehen wurde.

Die Fußballbegeisterung der Nachkriegsjahre war so groß das im Juli 1922 der SSV 08 mit einer Senioren- und einer Jugendmannschaft zu Fuß nach Waldbröl marschierte, hier 2 Propagandaspiele durchführte, um dann am Nachmittag wieder in die „ Feste Neustadt“ zurückzukehren.

Auf den Kleinwiedenester Fußballplatz an der Dörspe (Freibadterrain) begann nach 1925 die „Müller- Wilken- Mannschaft“, dem Neustädter Publikum die Sonntagnachmittage zu dramatisieren. Bei Lokalkämpfen gegen Derschlag, Vollmerhausen oder Engelskirchen gab es immer eine Ortsübliche „Völkerwanderung“ zur Brettergesäumten Fußball-Arena.